
Ausgrenzung und Gewalt
Immer mehr Anzeichen, Bekenntnisse von Lehrern, Mitschülern und Bekannten weisen daruf hin, dass Timi erst Opfer war. Opfer von Ausgrenzung und Mobbing, sich dann im Tunnel befand, in jener Stelle, in der so viele Mobbingopfer die erfahrene Demütigung und seelsiche Zerfleischung nicht mehr ertragen und die Gewalt gegen sich richten, das sind dann die vielen Selbstmordversuche und Suizide.
„So lesen die Trauernden zum Beispiel auf einem schwarzen Zettel, auf dem mit weißem Stift wie mit Kreide auf eine Tafel geschrieben steht: „Was musste Tim leiden, und keiner hat es gemerkt. Armer Tim!“
Oder sie verlieren jedigliche Kontrolle über sich selber und „drehen dann durch“. Bisher weigern sich sowohl Ermittler als auch Politiker dies zur Kenntnis zu nehmen. Tim K. war keine „Bestie“ oder der „Täter aus der Nachbarschaft“. Er war ein Opfer, das sich nicht mehr wusste, sich aus dem Tunnel zu befreien, aus dem fast kein Mobbingopfer ohne Schaden und Krankheit an Geist und Seele herauskommt. Die Therapieeinrichtungen in diesem Land sind voller Opfer von Mobbing, auf was warten wir? Depressionen sind für viele Mobbingopfer eine Begleitkrankheit, warum nehmen das die Ermittler nicht zur Kenntnis?
„Wenige Meter weiter findet sich der Brief seiner ehemaligen Deutsch- und Englisch-Nachhilfelehrerin: „Warum? … weil wir ihm nicht gezeigt haben, dass wir ihn mögen … weil wir ihn ausgegrenzt haben … weil wir seine Fähigkeiten nicht anerkannt haben.“
Wann lernt endlich diese Gesellschaft zu begreifen, dass Mobbing die Zerstörung eines „Menschen, seiner Persönlichkeit, Seele und Würde “ bedeuetet und dass man endlich gegen die wahren Täter, also den Mob sich wehren muss.
Ist das Lied von so vielen Opfern und Angehörigen nun endlich der Wendepunkt, in dem die Gesellschaft aufsteht und sich gegen den Mob wehrt? Sind Politiker nun endlich so weit, statt ständig Antirauchergesetze zu erlassen und sich selbst mit dem Gürtel des Stalkergesetzes zu schützen, Menschen wie die Opfer von Timis Tat und Opfer von Mobbing durch eine klare und eindeutige Antimobbinggesetzgebung zu schützen?
„Ein persönliches Gespräch darüber, ob sie selbst Signale ignoriert habe und inwiefern Tim K. gedemütigt wurde, möchte sie aber nicht führen, weil das Ermittlungsverfahren gegen Tims Vater laufe.“
Man kann nur hoffen, dass viele aus Timìs Umgebung das Schweigen brechen und mithelfen zu klären, was ist wirklich passiert im Leben von Timi, dass das Leben so vieler junger Menschen auf diese unfassbare Art endete.
„Auch Theresia Zurhorst macht sich Vorwürfe. Die Ethik-Lehrerin der Privatschule, die Tim K. zuletzt in Waiblingen besuchte, hatte noch im Januar einen Besinnungsaufsatz zum Thema „Verschärfung der Waffengesetze“ als Hausaufgabe aufgegeben. Tim K. schrieb damals, dass man auf Menschen nicht schießen dürfe. Nach dem Amoklauf sagte Zurhorst: „Er hat einfach das geschrieben, von dem er wusste, dass es seine Lehrerin lesen wollte. Es gab nicht ein einziges Zeichen, das ich hätte lesen können.“
nachrichten.aol.de/nachrichten-panorama/mitleid-mit-der-familie-des-amoklaeufers/artikel/2009032015375428439566